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Podcast Ep. 03: Populismus, Trumpismus, Postfaktum und die Herausforderungen an die Wissenschaft

In einer rapide komplexer werdenden Welt, erscheinen die einfachen Wahrheiten der Populisten und Verschwörungstheoretikern einfacher zugänglich, als die den Eliten exklusive Wissenschaft. Welche Herausforderungen an die Wissenschaftskommunikation und unsere Gesellschaft erwachsen daraus und wie könnte ein gesamtgesellschaftlicher Konsens auf Basis von Fakten wieder funktionieren?
Diesen und vielen weiteren Fragen spüre ich in meiner neuen Podcast-Folge hinterher.
Populismus ist eine Gefahr für die Demokratie, denn es zählen nicht mehr Argumente und Fakten, sondern die Meinung der lautesten Person. Dabei ist es oftmals nicht trivial, hinter die Blendung der Populisten (ob von links oder rechts) zu blicken. 
Was ist Populismus: Populismus meint, die Politik vor allem zu radikalisieren und sich damit von den bisherigen Eliten abzuheben. Außerdem betont der Populismus, dass die Politik – egal ob sie tatsächlich wirkt – der kurzfristigen Mehrheitsstimmung im Volk entsprechen soll.
 
Trumpismus:  Das bezeichnet vordergründig den Regierungsstil des 45. Präsidenten der USA, Donald Trump. Dieser treibt eine Abkehr von einer liberalen, offenen und egalitären Gesellschaft, hin zu einer nach innen gekehrten, elitären Gesellschaft mit einer protektionistischen Wirtschaft voran. Dabei scheint zu gelten, dass je lauter, extremer und radikaler die Meinung, desto besser. Ein Abgesang an eine evidenz- und faktenbasierte gesammtgesellschaftliche Kommunikation.


Wie in jeder Podcast Folge, trinke ich auch dieses Mal wieder Kaffee. Dafür habe ich mir einen Bella Crema von Melitta ausgesucht, ein Kooperationspartner der kommenden Sonderausstellung Kosmos Kaffee am Deutschen Museum.
Wie in jeder Podcast Folge, trinke ich auch dieses Mal wieder Kaffee. Dafür habe ich mir einen Bella Crema von Melitta ausgesucht, ein Kooperationspartner der kommenden Sonderausstellung Kosmos Kaffee am Deutschen Museum.
Die europäischen Staaten sollten sich vor diesem Hintergrund die Hände reichen und eine geschlossene Linie vertreten: große transeuropäische Infrastrukturprojekte, eine verstärkte EU-Kooperation mit anderen Integrationsräumen anzuschieben. Die Soziale Marktwirtschaft in den Mitgliedstaaten funktioniert - trotz mancher Probleme und einigem Optimierungsbedarf - außerordentlich gut, berücksichtigt man die Vielfalt der ethnischen Gruppen in Europa. Man könnte versuchen diese Erfolgselemente den USA, China, Indien und vielen anderen Ländern geduldig zu vermitteln. Ein Exportschlager auf ideeller Ebene, eine Kerntugend europäischer Köpfe seit der Antike. So könnte eine ordnungspolitische Brücke und Kooperation mit neuen Partnern, den ASEAN Ländern, forciert werden.
Postfaktisches Zeitalter: Was ist zu tun,  in einer Gesellschaft, in der viele Menschen sich ihre eigenen Wahrheiten schaffen? Es werden aus Emotionen, Projektionen und Wünschen eigene Wahrheiten und Welten erstellt, die wiederum immun gegen Daten und Statistiken sind.
Das stellt die Wissenschaft in Frage und ist gerade zu anti-wissenschaftlich, denn deren Kerngeschäft sind die Fakten.
Warum scheint die Wissenschaft so hilflos dem Postfaktum und Populismus ausgeliefert zu sein? 
  • Die Wissenschaft hat ein Problem Fakten richtig und verständlich zu kommunizieren.
  • Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation ist ein Geschäft der Eliten geworden. Entsprechende Publikationen sind nur kaum zugänglich. Der Diskurs dreht sich innerhalb der entsprechenden akademischen Eliten.
  • Fakten haben in unserer Gesellschaft ein schlechtes Ansehen – sie sind kalt, schwierig zu durchschauen und langweilig. Man muss nichts mehr wissen, sondern nur wissen, wo es steht.
  • Die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich mit Fakten auseinanderzusetzen, scheinen immer weniger ausgeprägt zu sein. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass angebliche Fakten im Internet mundfertig bereitliegen. Und vor allem daran, dass viele Zusammenhänge in der sich rapide verändernden globalen Welt für die meisten Menschen zu komplex werden.
  • Die entsprechenden Gruppen sind aggressiver, reicher und mächtiger geworden. Sie benutzen gezielt soziale Medien, da die sich für die Verbreitung ungeprüfter Behauptungen besonders gut eignen.
  • Bsp. Glauben und Religionen als Postfaktum: Religionen drehen sich quasi naturgemäß um Dinge, die sich dem Faktischen entziehen. Deshalb sind sie für Menschen, die sich ihre Welt nach ihren Vorurteilen basteln wollen, besonders anziehend. Gleichzeitig geht es in Religionen um absolute Macht, und so sind sie eine Verlockung für Menschen, die irrationale Machtprojekte durchsetzen wollen.
Wissenschaft gegen Glauben: Weshalb sind Postfaktum und Verschwörungstheoretiker*innen so immun gegen einen wirklichen Diskurs? 
  • Postfaktum, Glauben: In meinen Augen liegt das daran, dass sich der Glauben (nicht nur im religiösen Sinne, sondern Glauben an die jeweiligen Lebenswahrheiten/-vorstellungen) sich nicht den sich ändernden Fakten an. Der Glauben zieht seine Legitimation aus sich selbst. Glaube ich, so ist das Gesetz - und damit bin ich unangreifbar für Kritik und Vorschläge von außen. Das ist die Kernproblematik mit Glaubenskonzepten, diese sind immer verschlossen für Veränderungsanstöße und Reflexion von außen. So halten die Glaubenden/Postfaktler jeweils an ihrem System fest - unangreifbar für Daten, Fakten und Argumente. 
  • Wissenschaft basiert auf Umgebungsbeobachtung, Analyse und der Erstellung  von Hypothesen, Theorien und Konzepten aus diesen empirisch ermittelten Daten. Dabei ist Wissenschaft inhärent offen für Veränderung: präsentieren sich neue Fakten, passt sich die Wissenschaft diesen an. Wissenschaft ist nicht starr und immer kritikfähig, offen für Diskurs. Nur so kann ein gesamtgesellschaftlicher Fortschritt erfolgen. Postfaktum ist reaktionär und behindert einen Fortschritt. Damit werden sich mittel- und langfristig jedoch auch nur mit den Mitteln der Wissenschaft die Lebensumstände der Weltbevölkerung verbessern. 
Einfach zurücklehnen und Kaffee trinken? Nein, die Forschung in der ganzen Welt ist gefragt, Wissenschaftskommunikation auf Augenhöhe und auf eine inklusive, non-elitäre Weise zu führen.
Einfach zurücklehnen und Kaffee trinken? Nein, die Forschung in der ganzen Welt ist gefragt, Wissenschaftskommunikation auf Augenhöhe und auf eine inklusive, non-elitäre Weise zu führen.
Was bedeutet das für mich als Wissenschaftlerin?
Wir dürfen als Wissenschaftler keine "falschen Wahrheiten" produzieren, selbst wenn das Wissenschaftssystem den Anreiz setzt, möglichst schnell und viel zu publizieren.
Wir sollten in Publikationen, der Lehre, der Wissenschaftskommunikation vermitteln, dass die Wahrheitssuche Anstrengung und Sorgfalt erfordert und dass die Studierenden Ideologien nicht als Wahrheiten akzeptieren dürfen, nur weil sie sich "richtig anfühlen".

 

Wissenschaft muss Wissen für alle schaffen.

 

Dieses Wissen muss für alle Menschen frei zugänglich sein. Die bisherige, großteils elitäre akademische Forschung muss wieder der Gesamtbevölkerung zugänglich oder zumindest auf Augenhöhe kommuniziert werden. Dabei sollten inklusive und non-elitäre Vermittlungsformen (wie bspw. Museen, Journalismus, mediale Aufarbeitung) ihre humanistischen Wurzeln aufgreifen und klar vertreten. Die Forschung hat die Menschen verloren und dreht sich in ihren inneren Kreisen, auf der Suche nach einem noch höheren impact-factor ihrer Veröffentlichung und neuen Forschungsgeldern. Hier ist vor allem auch die Politik gefragt: es muss wieder in Bildung investiert werden. Ein Haushaltsüberschuss macht keinen Sinn, wenn er nicht investiert wird - und dabei ist Bildung das beste Investment in eine Zukunft.

 

 

Ich halte es mit Dürrenmatts Romulus: furchtlos die Dinge betrachten und furchtlos das Richtige tun.
Sara

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